Wäschetrockner-Kompass

Lohnt sich ein Wäschetrockner? Kosten, Platz, Raumluft

Von Sebastian Hösel · Veröffentlicht am · Wie wir arbeiten

Ein neuer Trockner beginnt meist mit der Frage nach dem Modell. Davor steht eine andere: Brauchen Sie überhaupt einen Wäschetrockner, oder genügen Leine und Ständer? Die Antwort hängt weniger am Geld als an einem Ort, an dem nasse Wäsche hängen darf. Dieser Ratgeber legt nebeneinander, was für ein Gerät spricht und was dagegen, jeweils mit Quelle. Die Kurzfassung steht schon in der Kaufberatung; hier geht es ausführlicher um die Entscheidung selbst.

Strom: Die Leine kostet nichts, ein Trockner lässt sich ausrechnen

Wer draußen aufhängen kann, braucht dafür keinen Strom. Das Umweltbundesamt[1] nennt Wäscheständer und Wäscheleine die energieeffizienteste Methode, und co2online[2] schreibt, auch das Trocknen verbrauche Energie, außer man könne die Wäsche immer draußen aufhängen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen[3] ergänzt, dass Wäsche auch bei Frost draußen hängen kann.

Bei einem Trockner steht der Verbrauch auf dem Label: Nach der Delegierten Verordnung 2023/2534[4] ist das der gewichtete Energieverbrauch je 100 Trocknungszyklen in kWh. Daraus wird Ihre Rechnung je Ladung:

Kosten je Trockengang = Verbrauch je 100 Zyklen ÷ 100 × Ihr Strompreis je kWh

Die Tabelle rechnet drei Beispielwerte durch. Der Strompreis von 30 Cent je kWh ist angenommen; setzen Sie den Preis aus Ihrer Jahresabrechnung ein. Die Werte stammen aus zwei Quellen mit unterschiedlicher Grundlage, die Tabelle zeigt deshalb Größenordnungen und keinen Vergleich zweier Geräte.

BeispielwertkWh je TrockengangKosten je Gang bei angenommenen 30 ct/kWh
Bester Wärmepumpentrockner der EU-Referenzwerte[5] (7 kg, Eco-Programm)0,85rund 26 ct
Moderne Wärmepumpentrockner laut Umweltbundesamt[1]: 73 bis 97 kWh je 100 Zyklen0,73 bis 0,97rund 22 bis 29 ct
Ältere Geräte ohne Wärmepumpe laut Umweltbundesamt[1]: rund 340 kWh je 100 Zyklen3,4rund 1,02 €

Wie viele Trockengänge Sie einsetzen, wissen nur Sie, am besten aus ein paar gezählten Wochen. Zum Maßstab: Das Umweltbundesamt[1] rechnet in seinem Beispiel mit durchschnittlich etwa 160 Trockengängen im Jahr und kommt bei 30 bis 36 Cent je kWh auf jährliche Stromkosten von ungefähr 40 Euro bei sehr effizienten Geräten bis rund 200 Euro. Die Werte der einzelnen Modelle stehen nebeneinander in der Übersicht der Labelwerte. Wie sich ein höherer Kaufpreis gegen die Stromkosten rechnet, zeigt der Ratgeber Wärmepumpentrockner oder Kondenstrockner.

Raumluft: das eigentliche Argument gegen den Ständer in der Wohnung

Beim Trocknen geht das Wasser aus der Wäsche in die Luft. Draußen verschwindet es, drinnen bleibt es im Raum. Das Umweltbundesamt beziffert das in seinem Schimmelleitfaden[6] in Gramm je Stunde für eine Trommelfüllung von 4,5 kg: geschleuderte Wäsche gibt 50 bis 200 g/h ab, tropfnasse 100 bis 500 g/h. Zum Vergleich nennt es für einen Menschen bei leichter Aktivität 30 bis 40 g/h. Der Leitfaden bezeichnet die Zahlen als Erfahrungswerte, im Einzelfall kann es deutlich mehr oder weniger sein.

Ein helles Holzgestell mit einem cremefarbenen und einem grauen Tuch vor einer hohen Fenstertür, links ein Leinenvorhang
Drinnen trocknen geht nur zusammen mit Lüften; wie viel, hängt von Wäschemenge, Schleuderdrehzahl und Raum ab.

Zum Vergleich, was ein Haushalt insgesamt an Feuchte abgibt: Nach dem Leitfaden[6] entsteht durch die Nutzer der Räume in einem 3-Personen-Haushalt eine Feuchtemenge von etwa 6 bis 12 Litern am Tag, die Verbraucherzentrale Niedersachsen[3] nennt rund 12 Liter täglich für vier Personen. Die Verbraucherzentrale zählt das Wäschetrocknen dabei ausdrücklich zu den Quellen. Entsprechend deutlich fallen die Empfehlungen aus:

  • Das Umweltbundesamt[7] schreibt, Wäsche solle nach Möglichkeit nicht in der Wohnung trocknen. Im Schimmelleitfaden[6] fügt es hinzu, dass besonders in Räumen mit hoher Luftfeuchte in der kalten Jahreszeit zusätzliche Feuchtequellen wie das Trocknen von Wäsche vermieden werden sollen.
  • Die Verbraucherzentrale Niedersachsen[3] geht weiter: Wäsche solle auf keinen Fall in der Wohnung getrocknet werden.

Wer es trotzdem tut, hat drei Stellschrauben:

  1. Höher schleudern. Der Leitfaden unterscheidet geschleuderte von tropfnasser Wäsche, und der Abstand ist groß. Das Umweltbundesamt[1] empfiehlt die höchste Drehzahl der Waschmaschine, als Richtwert 1.400 Umdrehungen. Was die Drehzahl bringt, erklärt unsere Schwesterseite im Ratgeber Schleuderdrehzahl.
  2. Lüften. In der kalten Jahreszeit rät das Umweltbundesamt zu 2- bis 3-mal täglich etwa 5 Minuten[7] mit weit geöffneten Fenstern. Wer in der Wohnung trocknet, soll nach seinen Trockner-Tipps[1] vor allem im Winter ausreichend lüften, mit kurzem Stoßlüften von jeweils 5 bis 10 Minuten. Gekippte Fenster reichen nicht: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen[3] verlangt ganz geöffnete Fenster.
  3. Messen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen[3] verweist auf Thermo-Hygrometer, die es ab 10 Euro gibt. Die Zielwerte unterscheiden sich je nach Quelle: Das Umweltbundesamt nennt im Lüftungsratgeber[7] 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte, die Verbraucherzentrale Niedersachsen[3] 30 bis 45 Prozent im Winter und 45 bis 65 Prozent im Sommer. Kritisch wird es nach ihr, wenn an einer Bauteiloberfläche mehr als zwei Wochen lang 80 Prozent relative Feuchte herrschen.

Kalte Außenwände und dichte Fenster verschärfen das. Im Leitfaden[6] zeigt das Umweltbundesamt am Beispiel eines unsanierten Altbaus mit neuen, dichten Fenstern, dass die nötige Stoßlüftung in der Praxis kaum noch erreicht wird[6], erst recht, wenn zusätzlich Wäsche in der Wohnung trocknet; dann sei eine Lüftung über technische Einrichtungen von Vorteil. Auch co2online[2] nennt die Schimmelgefahr in unsanierten Altbauten bei zu hoher Luftfeuchtigkeit.

Und die Heizkosten?

Lüften kostet Wärme. Bei zusätzlicher Feuchte muss die Luftfeuchte laut Leitfaden durch vermehrtes Lüften und gegebenenfalls Heizen[6] gesenkt werden. co2online[2] berichtet, nach Stiftung Warentest könne ein Trockner im Winter effizienter sein als das Trocknen drinnen, und setzt dahinter ein Ausrufezeichen für das „kann“; Zahlen nennt die Seite dazu nicht. Ob es bei Ihnen aufgeht, hängt an Haus, Heizung und Wäschemenge. Ein Ablufttrockner ist dabei keine Lösung: Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass er Luft aus dem Haus nach außen befördert[1] und der Raum im Winter mehr geheizt werden muss.

Was der Wärmepumpentrockner mit dem Wasser macht

Der Wärmepumpentrockner gehört zu den Kondenstrocknern: Er kühlt die feuchte Luft ab, das Wasser fällt aus und landet im Behälter oder im Abfluss. Die Verordnung 2023/2533[5] verlangt von Kondensationswäschetrocknern mindestens 80 Prozent Kondensationseffizienz. Im Schimmelleitfaden nennt das Umweltbundesamt Wäschetrockner, die das Kondenswasser in den Abfluss leiten oder in einem Behälter sammeln, ausdrücklich als Alternative zum Trocknen im geschlossenen Raum[6]. Die Verbraucherzentrale[8] erklärt zur Kondensationseffizienz: Je höher der Wert, desto weniger Wasser gelangt als Feuchtigkeit in die Raumluft. Welche Klassen es gibt, steht im Ratgeber Wärmepumpentrockner oder Kondenstrockner; wohin das Gerät in der Wohnung gehört, im Ratgeber Wäschetrockner aufstellen.

Textilien: wenig Belegbares

Zu Verschleiß oder Faserverlust durch den Trockner haben wir keine belastbare Messung gefunden und treffen deshalb keine Aussage dazu. Belegt ist der Normalfall: Die Verbraucherzentrale[8] schreibt, empfindliche Stoffe wie Wolle liefen im Wäschetrockner ein, und verweist auf die Pflegesymbole. Was das Zeichen im Etikett erlaubt, erklärt der Ratgeber Trocknersymbole: Was darf in den Wäschetrockner?. Was nicht hineindarf, hängen Sie auf, und damit gilt wieder die Raumluft-Rechnung von oben.

Für wen sich ein Trockner lohnt

Die Quellen führen zu einer Entscheidung nach Ihrer Lage, nicht nach dem Gerät:

  • Sie können draußen oder in einem unbeheizten, gut belüfteten Raum trocknen. Dann ist die Leine die sparsamste Methode (nach dem Umweltbundesamt[1]). Ein Trockner wäre Komfort, kein Muss.
  • Sie können nur in den Wohnräumen aufhängen und lüften mehrmals täglich. Ständer, Lüften und Hygrometer funktionieren zusammen. Behalten Sie die Luftfeuchte im Blick, besonders im Winter.
  • Sie wohnen im unsanierten Altbau mit dichten Fenstern oder schaffen das Lüften nicht. Hier hält das Umweltbundesamt einen Wäschetrockner für sinnvoll[6], der die Feuchte nicht in den Raum entlässt. Neu ist das in aller Regel ein Wärmepumpentrockner; warum, steht im Ratgeber Wärmepumpentrockner oder Kondenstrockner.

Bei der Größe hilft die Verbraucherzentrale[8] mit einer Orientierung: Für 1 bis 2 Personen genügen bis 7 kg, für 3 bis 4 Personen sollten 8 kg ausreichen. Die Modelle mit 8 kg haben eine eigene Übersicht.

Trockner, Ständer oder Leine? Zwei Fragen führen zur Empfehlung: Leine oder Ständer draußen, Ständer mit Lüften drinnen oder ein Wärmepumpentrockner. 1. Draußen oder in einem unbeheizten, gut belüfteten Raum trocknen möglich? ja Leine oder Ständer: sparsamste Methode nein 2. Bleibt die Luftfeuchte beim Trocknen in der Wohnung bei 40 bis 60 %, mit Lüften? ja Ständer, Lüften, Hygrometer; Trockner kein Muss nein Ein Wärmepumpentrockner kann sinnvoll sein Das Kondenswasser landet im Behälter oder im Abfluss, nicht in der Raumluft.

Die Entscheidungshilfe fasst die Empfehlungen des Umweltbundesamts[1] zusammen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen[3] nennt andere Zielwerte für die Luftfeuchte (siehe oben).

Wenn die Entscheidung gefallen ist

Fällt sie für den Trockner, hilft die Kaufberatung beim Modell; alle Geräte im Katalog stehen unter den Wärmepumpentrocknern. Bleibt es bei Leine und Ständer, lohnt sich das Hygrometer ebenso wie der Blick auf die Schleuderdrehzahl.

Quellen

  1. ↑ a b c d e f g h i Umweltbundesamt: Wäschetrockner – bei Kauf und Nutzung auf Energieeffizienz achten (umweltbundesamt.de)
  2. ↑ a b c co2online: Stromverbrauch von Waschmaschine und Trockner (co2online.de)
  3. ↑ a b c d e f g Verbraucherzentrale Niedersachsen: Schimmel in der Wohnung – vorbeugen und handeln (verbraucherzentrale-niedersachsen.de)
  4. ↑ Delegierte Verordnung (EU) 2023/2534 zur Energieverbrauchskennzeichnung von Haushaltswäschetrocknern (eur-lex.europa.eu)
  5. ↑ a b Verordnung (EU) 2023/2533 zu Ökodesign-Anforderungen an Haushaltswäschetrockner (eur-lex.europa.eu)
  6. ↑ a b c d e f g h Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (Stand April 2024) (umweltbundesamt.de)
  7. ↑ a b c Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung (umweltbundesamt.de)
  8. ↑ a b c Verbraucherzentrale: Beim Kauf eines Wäschetrockners an den Stromverbrauch denken (verbraucherzentrale.de)